Freitag, 26. Juli 2019

2019 Eiger Ultra Trail - schaff ich den 5. Finish beim E101?



Link to the 5-Minute-Trailer

Link to my 20 minute view of the Eiger Ultra Trail


Die 7. Austragung und mein 6. Start




An Luzern konnten wir am Donnerstag nicht vorbeifahren, ohne ein wenig in der Altstadt zu herum zu spazieren.




In Grindelwald mit dem Auto um 15 Uhr angekommen, mussten wir noch zwei Stunden warten, bis wir um fünf die Wohnung beziehen konnten. Wir machten es uns gemütlich auf der Terrasse und bedienten uns bei Kaffee und Kuchen.

Später trafen wir Monika (Helferin) und sie zeigte uns ihre Unterkunft im Sportzentrum. Sie war gekommen, um als Helferin an mehreren Tagen beim Eiger mitzumachen.

Wir trafen zufällig Clive (hier für den 101er)  und seine Freundin Liz (Betreuerin) und hockten uns für einen Kaffee und ein längeres Gespräch auf die Terrasse beim Hotel Spinne. Ist schon fantastisch, auf fast 1'000 Meter Höhe und am Abend noch mit T-Shirt draussen (wenn man der Klimakrise etwas positives abgewinnen will).




Am Freitag Nummer beziehen, viel Wasser trinken, auf Nahrung achten, viel helles Brot, dazu Mandelmus oder Avocado.




Adrian (hier für den 101er) und Claudia (Betreuerin) kamen an und wir warteten noch auf Thierry (hier für den 35er)  und seine Freundin Karin (Betreuerin). Adrian legte sich kurz hin, weil er sich plötzlich nicht mehr wohl fühlte.

Alle holten wir die Nummern ab und ich kam dabei auf meine 10‘000 Schritte, viel zu viel für den Tag vor dem Wettkampf. 





Thierry und Karin gingen zurück ins Hotel und in ein Restaurant Rösti essen. 

Wir holten Pasta an der Party und Adrian konnte seine kaum ansehen, musste er bereits wieder zurück ins Hotel sich aufs Bett legen. Er fühlte sich gar nicht gut. So ass Claudia seine Portion und ich zwei kleine Portionen, weil Mägi Gemüse holen ging.

Um neun gingen wir alle ins Bett und ich konnte sogar besser schlafen, als in der Nacht davor, wo ich gefühls mässig die ganze Nacht wach lag.

Und um 02.20 in der Nacht aufstehen, duschen, Müesli essen, eingeweicht seit dem Vorabend. Den Rucksack fertig packen, anziehen und feststellen, wie schwer er wird mit dem Liter Wasser. Noch die letzten Korrekturen für die Utensilien, die nach Burglauenen geschickt werden.

Adrian ging es noch nicht viel besser. Konnte nichts essen, aber er kam mit zum Start. Es war schon recht warm draussen. Kurze Hose und T-Shirt genügten vollkommen.





Zuerst ging es auf der Strasse hoch wie letztes Jahr, als wir viel mehr Teilnehmer waren. Damit fiel ein Nadelöhr weg. Kurz standen wir an nach dem Hotel Wetterhorn, als es auf den Trail ging. 




Im Bandwurm nach oben musste man sich einreihen und das Tempo anpassen. Erst weiter oben war ein freies Laufen möglich. Adrian lief zügig und musste zwei, dreimal kurz auf mich warten. 






Aber oben auf der grossen Scheidegg nach 1.45 Stunden meinte er, er müsse aufhören.  Er meldete sich bei der Sanität und verschwand im Gebäude. 

Dort nahmen sie Puls und Blutdruck und beides war nicht gut. 






Hatte ich vorher noch Anfangsschwierigkeiten, auf Touren zu kommen, lief es nun bestens. Bis zum VP Feld lief es super. 













Ich traf auf  Beat aus Interlaken, der schon zweimal ins Gewitter kam, auch letztes Jahr und nachher einen Schock hatte, weil es so nah vor dem Männlichen donnerte und blitzte. Da hatten wir in Wengen nichts davon mitbekommen und uns noch lustig gemacht, dass das Rennen bei den paar dunklen Wolken abgekürzt wird.











In Bort rief ich Adrian an und hörte von ihm, dass er bereits wieder in Grindelwald war. DNF.




Ich traf noch auf Jorge, der in Barcelona lebt und in 22h 43min finishte und am Rücken die chilenische Flagge mitführte.










Auf dem First war ein Gewusel, ich nahm einen Winforce Gel/Riegel und etwas vom Riegel und machte mich nach ein paar wenigen Minuten auf den Weg an den Alphornbläsern vorbei.

Ein Läufer aus Norwegen bot mir an, ein Foto von mir zu machen, als er mich filmen sah.





Vor Feld kamen die schnellen 51er dazu und es gab Engpässe mit langsamen 101er Läufern. Wir 101er trotteten hinter Unseresgleichen her, doch die 51er hatten weniger Geduld und riskierten viel bei gewagten Überholmanövern. Verständnis musste man für beide haben.



Man musste nur ein wenig Geduld haben und man bekam genug Platz, da konnte man verlorene Zeit wieder wett machen und voll drauf los brettern.


Meine Krise begann etwa eine Viertelstunde nach Feld, beim Aufstieg auf das Faulhorn. Ich musste mich regelrecht hinaufkämpfen, ab und zu ins Gras oder auf einen Stein absitzen. 

Mir war nicht wohl zumute. Hatte ich auf dem First einen Fehler gemacht mit dem Winforce Gel/Riegel Gemisch und dem Bissen vom Riegel?

Oben auf dem Faulhorn war mir richtig schlecht. Ich nahm zwei Becher voll Cola und blieb nicht lange hocken. Meistens erhole ich mich, wenn es nicht hoch geht und ich genug Cola intus habe.

Inzwischen war Mägi von ihrem E16 am Ziel in Grindelwald.




Doch es lief nicht besser und ich musste fast alles marschieren.

Unterwegs zur Schynigen Platte feuerten mich Wanderer speziell an, weil ich sie filmte.
Sie fragten mich, ob ich etwas brauchen könnte, sie hätten Wasser dabei. 
Ich brauche Cola, antworte ich. Das hätten sie nicht dabei. 




Später traf ich noch auf Silvia (Betreuerin von verschiedenen LäuferInnen) vor dem VP Schynige Platte. 




Sie übergab mir eine Flasche Cola, die Hälfte trank ich gleich aus und nahm die Flasche mit. Ich liess sie immer wieder auffüllen. Unbedingt daran denken: nächstes Mal von Beginn an mitnehmen.




Trotz allem hatte ich bei 50km nur eine halbe Stunde Verspätung auf meinen Zeitplan.



In Burglauenen warteten Claudia und Adrian, der sich etwas erholt hatte.



Sie umpflegten mich, dass es eine Freude war. Dazu kam noch Monika, die in Burglauenen Melonen schnitt für uns Läufer. 
Das war mehr als verführerisch und ich nahm ein Stück, das wunderbar schmeckte. Die restlichen jedoch waren ohne Geschmack und faserig. Aber es erfrischte.

Und es rächte sich zum zweiten Mal, dass ich etwas festes zu mir nahm. Nach Wengen hoch musste ich mich kurz nach Burglauenen ins Gras legen, weil mir so schlecht war und ich studierte an Gründen herum, wieso ich aufgeben muss. 
- Too old for this sh#t
- Ein Berg zu viel
- zuviel Fahrrad im Juni, zuwenig Höhenmeter zu Fuss
- Mein Magen ist nicht gemacht für Ultras

Wieso ich nicht nach Burglauenen zurück lief? Ich weiss es nicht.



Ich wusste ja, dass Wengen nie kommt. Aber dass „nie“ so lange sein kann. Inzwischen lief es besser, ich konnte mich erholen in den insgesamt drei Stunden von Burglauenen nach Wengen. 

In diesen Stunden war Thierry nach seinem E35 am Ziel in Grindelwald.





Mein Magen war nun leer und ich hielt ich ab Wengen nur noch an Wasser, Bouillon, Cola und Gels.



In 1.45 Stunden lief ich zügig hoch auf den Männlichen. Dabei traf ich auf Sylvia (Finisherin in 24h 13min) eine deutsche Ultra-Läuferin. 
Ich unterhielt mich mit ihr, merkte aber, wie mich das zusätzliche Kraft kostete und sprach danach kaum mehr mit jemandem.

Sie und andere liefen ein Stück hinter mir her und ich war froh, dass sie mich von hinten pushten. Bis ich wieder mal ausruhen musste und mich kurz hinsetzen musste. Da reichte eine Minute und ich stand wieder auf und marschierte weiter die endlosen, steilen Höhenmeter hinauf.



Auf dem Männlichen sass ich auf einen Liegestuhl und liess mich von den Helfern verwöhnen. Fantastisch, was die an allen Posten für einen Service boten. Natürlich holten sie mir das, natürlich füllten sie meine Flasks, natürlich füllten sie kaltes Wasser in die heisse Bouillon. 



Danke, danke, danke.

Ich traf den Arzt, der mich vor zwei Jahren aus dem Rennen nehmen und mir eine Infusion geben wollte. Und mich erst weitergehen liess, als ein mit ihm befreundeter Arzt, Max, den ich vom Irontrail kannte, mich mit ihm nahm Richtung Scheidegg.

Ich wär jetzt gerne los gerannt Richtung kleine Scheidegg, vor allem weil man marschierend fast nicht vorwärts kommt und soviel Zeit verliert. Aber ausser ein paar kläglichen Versuchen blieb es beim Marschieren.



Beim Posten, der einem den Weg Richtung Lauberhorn zeigte, hockte ich mich kurz hin, ich fühlte mich nicht besonders wohl, und fragte nach, ob sie Wasser haben. 

Hatten sie nicht, aber ein Biker, der sich mit den Postenleuten unterhielt, gab mir seinen Bidon. Da war aber nicht nur Wasser drin, irgendein Kohlenhydrat Getränk. Das hinuntergeschluckte Getränk kam postwendend wieder die Speiseröhre hinauf und hinaus auf die Wiese. 
Die Postenleute hatten keine Freude und ich entschuldige mich auch.
Meine Freude war dafür umso grösser. Ich fühlte mich plötzlich wieder viel besser.

Ab diesem Posten hatte ich keine Krise mehr. Beim geringsten Aufkommen eines Unwohlseins, war das die Liste, die ich abarbeitete:

1) Gut und tief durchatmen, wenn das nicht half
2) Wasser trinken, wenn das nicht halb
3) Cola und wenn das nicht half
4) Gel runterwürgen

Und los ging es aufs Lauberhorn, wo ich die Stirnlampe montierte, die freundlichen Helfer beim Posten halfen mir dabei. Ich kam kurz nach dem Posten zu zwei Asiaten, die sich aufgeteilt hatten, einer lief links, der andere rechts auf einem Weg. 

Ich rief nach dem Helfer beim Posten und er zeigte uns den richtigen Weg nach rechts. Ich lief mit Abstand den Asiaten hinterher und nach kurzer Zeit hatten wir uns alle irgendwie verlaufen in der Nacht. 

Mehrere Läufer kamen hinter mir her und ich hielt mich an die Asiaten, die nun durch eine halb schlafende Kuhherde lief, in der es auch Jungtieren hatte. Was man ja nie machen sollte. Aber ich wollte nicht selber mich orientieren müssen und zog hinter ihnen her, mit Abstand von ein paar Hundert Meter. Die Kühe beachten mich kaum.

Ich war überglücklich, als ich endlich wieder ein Fähnchen sah und ich begann hinunter zu rennen. Ich wollte nicht unnötig Zeit verlieren auf dem laufbaren Downhill.

Hinauf zur Kleinen Scheidegg sprach mich ein Schotte an, ob ich das T-Shirt von 2018 anhabe. Es war das von 2016, was er darauf antwortete, verstand ich nicht mehr, das war für mich ein zu unverständliches Englisch.

An die kleine Scheidegg hatte ich keine gute Erinnerung, lag ich doch im 2017 dort auf einer Pritsche und wollte aufgeben. Wenn da Irene nicht Clive auf mich aufmerksam gemacht hätte. Irene war auch dieses Jahr dabei, musste aber im First aufgeben.

Ich liess mich auf der Kleinen Scheidegg wieder bedienen mit Bouillon und Cola, sie füllten meine Wasserflaschen und ich fragte nach, wegen Cut off beim diesem und beim nächsten Posten. Das führte zu einigen Abklärungen, und es dauerte bis ich zu den definitiv gültigen Zeiten kam.

War das herrlich auf der Moräne. Ich lief im T-Shirt und kurzen Hosen und bin als rech-ter „Gfrörli“ bekannt, als einer, der schnell friert. Es frischte ein Wind auf, ein so herrlich temperierter, kühler Wind, der mich juchzen liess. Föhnwind, hiess es später.

Oben gab es eine neue Streckenführung zum Eigergletscher und ich hatte genügend Zeit vor dem Cut Off um ein Uhr nachts, den ich befürchtet hatte bei diesem VP. Ich hatte eine Stunde Reserve.

Hinunter nach Alpiglen wollte ich laufen, konnte aber nach kurzen Versuchen jeweils nur noch marschieren.

Auch hier, wie beim ganzen Lauf: 
was ich eins mit den Füssen hängenblieb, dutzende Male, bei denen ich mich immer wieder retten konnte. Es war statistisch eigentlich unmöglich, aber ich bin nie hingefallen. Hatte nie unfreiwilligen Bodenkontakt. Ich stolperte so oft, ich haute mir mit meinem rechten Fuss ans linke Schienbein und umgekehrt, ich taumelte und fand zum Teil keinen rechten Stand. Ich wankte, aber ich fiel nie.

Es begann leicht zu regnen. Kein Grund, die Jacke hervor zu nehmen. So nach 15 Minuten regnete es richtig. Also Stirnlampe (die mit Kabel mit dem Rucksack verbunden ist) abnehmen, Rucksack abnehmen, Jacke heraus, Jacke anziehen, Rucksack mit Stirnlampe wieder montieren.

Und was ist: als ich weiter lief, hörte der Regen auf.

In Alpiglen traf ich die Helferin vom letzten Jahr, die dieses Jahr am Freitag fehlte bei der Nummernausgabe. Es war so schön, diese aufgestellte Frau zu treffen und die ganze Crew in Alpiglen. Hier setzte ich mich hin, hier gefiel es mir.

Andere warnte ich vor der Strecke nach dem Marmorbruch. Und auch dieses Jahr wollte diese nie enden, es ist ein tückischer Wurzelweg, der gefühlt ständig nach oben führt.

Im Marmorbruch hatten sie eine Meldung erhalten, dass Regen kommt.

Und wirklich, als ich loslief, begann es zu tröpfeln. Mit mir nicht, kein Tenuewechsel. Und zum Glück blieb ein grösserer Regen aus.

Langsam realisierte ich, dass ein 5. Finish im Bereich des Möglichen lag. Und ich hatte bei meinen Krisen keinen Fünfer auf mich gewettet. Und hier war ich nun im Marmorbruch und musste nur noch hoch auf die Pfingstegg.

Oben lassen sie einem auch durch, wenn man nach dem Cut off ankommt, aber beim Marmorbruch rechtzeitig aufgebrochen ist. 

Ich musste mir jedoch keine Sorgen mehr machen wegen der Zeit. Und weil ich schon so lange unterwegs war, spielte die Schlusszeit auch keine Rolle mehr. Für ein Spitzenergebnis habe ich gute Beine, eine gute Kondition, aber einen Magen, der mir öfters einen Streich spielt.

Und ich setzte mich wieder hin beim Posten in Pfingstegg. Die Atmosphäre geniessen, mit den Hel-fern schwatzen. 

Zum Beispiel über das Verhältnis von Wasser zu Cola, dass sie ausschenkten und es ist wahrscheinlich speziell am letzten Posten, das nur noch wenige Wasser wollten, aber fast alle bei Cola zu griffen.

Es begann wieder zu regnen, laut Helfer sollte es länger dabei bleiben und ich zog mich im Zelt des VP um und lief in die Nacht.

Vor zwei Jahren war ich mit Clive auf der Pfingstegg (wir waren seit der Kleinen Scheidegg gemeinsam unterwegs) und wir benötigten gefühlte zwei Stunden bis nach Grindelwald hinunter. 
Wir waren komplett erschöpft und vor allem tat uns beiden die Fuss-Sohlen weh, nachdem wir den Eigertrail nach Alpiglen gerockt hatten.

Dieses Mal lief ich alleine und zügiger. Der Regen stoppte und es war so warm, dass man unmöglich mit angezogener Jacke laufen konnte. Also abziehen. Da kam ein Läufer von hinten und lief an mir vorbei und ich glaubte zu halluzinieren. Es war Clive.



Ich lief zu Beginn schneller als er, ab Burglauenen war er am aufholen und vor allem den Downhill auf dem Eigertrail muss er wieder gerockt haben.

Zu zweit liefen wir nun dem Ziel entgegen, meldeten via Phone unsere Ankunft.




Beim Camping überholten wir noch jene Läufer, 

Die letzte Steigung hinauf ging es zügig und oben wurden wir lautstark empfangen. Meiner Frau übergab ich die Kamera, damit sie unsere Ankunft filmen konnte.

Ja, und so liefen Clive und ich nach knapp über 25 Stunden über die Ziellinie. Beide hatten 
wir damit keine 500 Kilometer (wegen abgekürzten Austragungen), aber 5 Finishes und das ist was zählt um in den Quartz Club zu kommen.



Das war sicher eine Motivation unterwegs, um auch unter widrigen Umständen wieder aufzustehen und weiterzulaufen. Der Quartz Club, dann die vielen Links zum Tracker, die ich verschickt hatte und ich weiss zur Genüge, wie weh ein DNF tut.

Ich trank im Ziel das Bier und einen Recovery Drink von Sponser. 

Auf dem Weg ins Hotel feuerten wir die Läufer an.



Danach ein wenig hinlegen und um zehn Uhr fand die Siegerehrung statt und irgendwann baten sie uns fünffachen Finisher auf die Bühne. 



Neu sind Clive und ich im Quartz Club, wir bekamen einen Gutschein für eine Fahrt auf das Jungfrau Joch, eine Schokolade und das wichtigste von allem: 

einen garantierten Startplatz für die weiteren Jahre.



Den Startplatz 2020 hätte ich gleich nach dem Rennen ohne Probleme verschenken können!

Natürlich denke ich heute ganz anders darüber und freu mich schon auf die nächste Ausführung: 101 Kilometer mit 6‘700 Höhenmeter rund um Grindelwald.


Herzlichen Dank an all die tollen Helfer und danke auch für die gute Organisation. Und dankeschön für das gelungene T-Shirt

Wir kommen sehr gerne wieder.


<h1>Eiger ultra trail </h1>

Freitag, 5. Juli 2019

2019 Biel - 100km - Nie mehr Biel?





Link zu youtube: Trailer

Link zu youtube: vor dem Lauf

Link zu youtube: der Lauf

Da kann ich einen Marathon laufen und dank Gels die 42km ohne Krisen durchlaufen, aber beim Bieler beginnt es bereits nach 20 Kilometern, vor Lyss:


  • dass ich mich nicht wohl fühle
  • dass mir ein wenig schwindlig wird
  • dass ich nichts mehr essen kann
  • dass ich die Gels mit einem Widerwillen runterwürge
  • dass ich erschöpft bin.


Sind die Vollkorn-Haferflocken vier Stunden vorher zuviel des Guten? Oder passt es meinem Körper nicht, so in die Nacht hinein zu laufen. Dabei war es bereits das 12. Mal, irgendwann sollte der das doch hinkriegen.

Oder hätte ich wie beim Marathon in Zürich vorher noch einen starken Kaffee trinken müssen?

Dazu meldete sich noch mein rechter Fuss, der mich immer wieder zurück bindet, wenn ich zuviel mache. Ermüdungsbruch, Stress-Symptom; wie auch immer, es tat einige Kilometer bei jedem Schritt weg.


Vor dem Lauf lief alles bestens, ich hatte erstmals an dem Tag frei genommen, ging nicht zur Arbeit und konnte am Morgen ausschlafen. Kolonnen auf der Autobahn hatte es nur auf der Gegenfahrbahn.

Ausser dass wir zu spät kamen für eine Matte in der Turnhalle, alle waren besetzt und die Geräteräume abgeschlossen. Wir fanden eine Ecke, wo wir uns auf den harten Boden legten und trafen rundherum altbekannte Gesichter.

Das mit der Anmeldung war sehr gut gelöst, gleich neben der Turnhalle.

Draussen windete es stark. Ich hoffte auf Rückenwind.

Meine Giverola Freunde gingen es unterschiedlich an. Markus schneller und Jean-Francois etwas langsamer, ich so zwischendrin.



Dazu traf ich Felix Staub, ein Urgestein, ein Freund aus Irontrail Tagen, er nahm es gemütlicher und konnte es so sicher mehr geniessen als ich.

Am Start mit Gianni Pirali, den ich vor Jahren auf einer Zwangspause in Kirchberg kennengelernt hatte und Bernd Prior, einem Strava Laufkollegen.





Und nach der Schweizer Nationalhymne ging es zu den Klängen der Toten Hosen los. Es regnete nun doch noch (wenn hoffen nichts nützt!!) und es wurde richtig kalt in der Nacht.




Hopp Hopp Lollipop




So traf ich Mägi in Lyss, die es nicht leicht hatte bei Regen und Kälte und einem jammernden Läufer, der immer wieder innehalten musste.



Irgendwann ging zum Glück der Schmerz am Fuss vorüber, aber so richtig wohl war mir selten.



Bernd war weit vor mir, Markus überholte mich und Jean-Francois ging kurz vor Kirchberg an mir vorbei.




Dort war ich ein wenig kopflos, wollte mich hinsetzen und doch nicht, wollte was essen und dann doch nicht. Am liebsten hätte ich mich auf eine Pritsche gelegt.




Nach kurzer Zeit lief ich trotzig weiter, an den Bussen vorbei Richtung Damm. Auch dieses Jahr konnten wir nicht die Originalstrecke laufen. Noch mehr Asphalt.




Immer wieder Gehpausen, wenn auch kurz, 15-20 Sekunden stehenbleiben, Luft holen und weiter geht’s.

Mittlerweile konnte ich nach dem vierten oder fünften Gel auch keinen solchen mehr zu mir nehmen und lief nur noch mit Cola, Bouillon, Wasser und mittels Fettabbau.




An der Aare dann, so ab Kilometer 82, da war ich eingelaufen, jetzt lief es wie am Schnürchen, auch immer wieder Gehpausen oder Stehenbleibenpausen, aber es lief besser und ich war auch schneller unterwegs.

Was immer hilft, ist die Sorge um meine Frau, ich muss weiterlaufen, sonst schläft sie irgendwann ein auf dem Fahrrad











Endlich hatte ich voll auf Fettverbrennung umgestellt. Auch bei 65 Kilogramm Lebendgewicht und 16% Fett gibt das eine Menge Fett, über 10 Kilogramm. Pro Kilogramm sind das 7000 Kalorien. Wenn das richtig gut funktionieren würde, könnte man damit bis nach Paris laufen.




Ab Kilometer 90 hielt mich nichts mehr, bei 90 und 91 gab es noch Fotopausen:





Aber es reichte bei weitem nicht für die anvisierte Zeit unter 11 Stunden.

Nach 11 Stunden 45 Minuten war ich im Ziel und wurde mit der für mich „schlechten“ Zeit Schweizer Vize-Meister über 100km.




Aselia, meine Tochter und Finisherin vom letzten Jahr,  wartete im Ziel auf mich, schon seit Stunden. War das schön, sie zu sehen und sie nahm meine erste Stellungsnahme gleich nach dem Lauf auf Film auf: Nie mehr Biel. Dabei übertrieb ich auch ein wenig beim Verhältnis. Es war in diesem Jahr vielleicht 30 Prozent Kampf und 70 Prozent Genuss.




Nachher ging ich noch zur Massage, die Gold wert war und fuhr dann noch nach Hause, zum Glück ohne Stau.

Am nächsten Tag bereits war alles vergessen, was für Mühen ich hatte, welche Krisen ich überstehen musste und ich werde auch nächstes Jahr wieder am Start stehen für die Nacht der Nächte in Biel. Und mich darauf freuen, euch alle wiederzusehen.

Am Montag ging es mit der Bahn nach Wien, wo wir innerhalb von zwei Wochen von Wien mit dem Fahrrad nach Donaueschingen fuhren. Perfekte Erholung für die geschundenen Beine.

Link zu youtube: Donauradweg