Freitag, 20. Juli 2018

2018 Eiger Ultra - die abgekürzte Version








Freitag

Am Freitag muss Mägi früh aufstehen, sie hilft nicht nur am Samstag in der Wirtschaft, nein auch am Freitag bei der Nummernausgabe bei den 51er. Dazu läuft sie am Samstag noch den 16er.

Volles Programm.



Ich packe meinen Rucksack und gehe nach neun ebenfalls zur Startnummerausgabe. Dabei treffe ich Stephen wieder, den Briten, der in Dänemark lebt. Ihn hatte ich am Donnerstag im Coop angesprochen, da er mit dem selben UTMB Shirt herum lief, dass ich letztes Jahr auch noch vor dem Lauf bekommen hatte.

Lange halte ich mich beim Stand von Hoka One One auf und kann mich nicht entscheiden. Der alte oder neue Mafate oder nicht doch den Speedgoat? Dann eben keiner. 


Mit dem Clifton hatte ich am Bieler sehr gute Erfahrung gemacht, aber eigentlich bin ich ja mehr als zufrieden mit meinem Saucony Xodus ISO 2.

In der Wohnung will ich mich hinlegen, vorschlafen, als Mägi anruft, Clive sei bei ihr. Also gehe ich runter wieder zur Startnummernausgabe und treffe Clive, meinen Mitstreiter der letzten Eiger Ausgaben. 



Mit ihm, seiner Schwester (die den 16er laufen wird) und ihrem Mann hocken wir uns hin beim Hotel Spinne hinten auf der Terrasse zu einem Schwatz bei Bier und später Kaffee.


Aselia und Fabian’s Zug ist ausgefallen, sie kommen später, einen weiteren Zug später dann Adrian. 



Nachdem wir alle unsere Nummern haben, Aselia auch noch Hokas anprobierte, gehen wir in die Wohnung zurück und später an das Briefing.

Das Briefing ist auf 18 Uhr angesetzt. Doch findet zuerst das Kid’s Race statt. Daher müssen wir sehr lange auf Infos warten.



Zuhause gibt es Rösti und Spaghetti (Bavette No 13), wir schauen uns gemeinsam noch die letzten Games von Wimbledon an und um neun ist Lichter löschen.

Samstag
Um zwei aufstehen, duschen, Müesli bereit machen, auf dem Balkon checken, wie kalt es ist (es ist recht warm), anziehen. Irgendwann tauchen auch Fabian und Adrian auf und vor vier Uhr laufen wir zum Start.

Gepäck deponieren für Burglauenen und wir stellen uns im Startfeld in die Mitte, um nicht allzu lang in Schlangen stehen zu müssen.

Der Speaker lässt das Eiger Lied laufen, aber niemand sing mit mir mit. Mit Rücksicht auf die Schlafenden  lässt er es auch recht leise laufen.


Wir hinten sehen, wie die vorne davon rennen. Als wäre das Ziel beim Hotel Wetterhorn.

Jetzt sind wir dran und es gilt, uns nicht aus den Augen zu verlieren und nicht über einen der vielen Stöcke zu stolpern. Keine leichte Aufgabe.



Weil 1000 anstatt wie üblich 600 Läufer unterwegs sind, führt die Strecke die ersten Kilometer auf der Strasse zum Hotel Wetterhorn.

Jetzt gibt es doch die ersten Engpässe, wo wir stehen oder nur sehr langsam vorwärts kommen. 






Trotzdem reicht es für eine neue Bestzeit bis zur grossen Scheidegg.



Aber was ist bloss mit dem Wetter los? Dunkle Wolken verdecken fast den ganzen Himmel. Kein Sonnenaufgang, wie wir ihn uns vorgestellt hatten. Ja, es sieht sogar nach Regen aus.



Weiter zum First, runter zum Bort und wieder hinauf zum First. Unterwegs treffen wir Clive und auch Stephen, den Briten, der in Dänemark lebt.

Ich hielt ihn noch für einen Dänen bei folgendem Gespräch:



Stephen: „ your english is very good“
Richard:  “thank you, but your’s is good as well”


Die beiden Jungen laufen mir zu schnell, kurz vorher war ich drei Wochen lang auf Meereshöhe. Ich hab das Gefühl, dass ich zuwenig Sauerstoff bekomme auf jetzt über 2'000 Meter über Meer. 
Wie muss das erst sein für einen wie Stephen, der in Dänemark lebt und hier hoch kommt!
Ich bleib bei ihm und wir unterhalten uns bis zum First. 

Wo ich noch dazukomme wie Fabian beim Verpflegungsposten zuschlägt: ein fettes Sandwich mit Fleisch und Käse. Wenn ich doch nur auch so zuschlagen könnte.





Vor dem Bachalpsee beginnt es tatsächlich zu regnen. Keine Prognose hatte Regen am Morgen auf dem Radar. Von über 10 Prognosen hatten nur 3 am Abend Gewitter.



Es ist viel zu warm in der Regenjacke, daher anziehen-abziehen-anziehen. Bis 12 Uhr bleibt der Himmel bedeckt, aber meistens trocken.

Hinauf zum Faulhorn. Stephen ist wieder mal bei mir und klagt dann über eine Blase, die ihn seit 15km plage. Ich biete ihm meine Compeed an und er bittet mich gleich, ihn zu verarzten, da er selber nicht an die Fuss-Sohle ran kommt.



Keine Kolonne auf dem Faulhorn. Das ist erstaunlich. Noch jedes Jahr musste man dort anstehen (was Fabian und Aselia nebst dem Schnee im 2016 zum Verhängnis wurde, weil sie danach zu spät zur Schynigen Platte kamen).

Hat es damit zu tun, dass wir früher gestartet waren und noch wenige 51er aufschliessen konnten?

Auch bei diesem Posten halte ich mich nicht lange auf, nehme aber zum ersten Mal Cola zu mir, da ich keine Energie hatte rauf auf’s Faulhorn und sich bereits ein leichtes Unwohlsein bemerkbar macht. 
Das gepanschte Cola hilft. Doch so richtig wohl fühlte ich mich wieder, als ich Jean-François (mein 100km Biel Zugpferd) mit seiner Frau auf einer Wanderung von der Schynigen Platte zum First antreffe und sie mir vom "real stuff" geben können.



Manna vom Himmel!

Jetzt läuft es recht gut und im Wissen, dass die Schynige Platte erst kommt, wenn man nicht mehr damit rechnet, laufe ich in meinem Trott weiter.

Fabian und Adrian treffe ich erst wieder am Verpflegungsposten und ich muss sie danach auch wieder ziehen lassen. Ich habe sei dem Faulhorn nichts mehr gegessen, nur Cola getrunken. In der Schynigen Platte drücke ich gleich zwei Gels hinunter und spüle mit viel Wasser und ein wenig Cola.
Dazu noch einen halben Biber, damit der Magen etwas zu verarbeiten hat.

Leider gibt es keine Gemüse Bouillon mehr, nur noch Hühnerbouillon. Als Vegetarier habe ich wenig Verständnis für die Bemerkung, ich könne die Fleisch Bouillon doch gut gebrauchen....
Auch in Alpiglen ist die Gemüse Bouillon alle. Sie hatten zu wenig Pulver bekommen.
Sie sollten es machen, wie an allen anderen Läufen: Nur vegetarische Bouillon abgeben. 

Keiner wird die andere vermissen. Es geht um Salz und ein warmes Getränk.



Alles zusammen rumort in meinem Magen, als hätte man eine Waschmaschine in Gang gesetzt. Jetzt langsam weiterlaufen, bis sich der Magen beruhigt.

Das klappt und bis Burglauenen trinke ich nur noch Cola, sobald es mir mulmig wird und ich kann den den Downhill-Trail geniessen und freue mich sogar an der brutalen Gegensteigung. Kurz vor dem Ende kommt man an einem Bach vorbei. Es ist inzwischen recht warm geworden. Darum  tauche ich meine Mütze ins kalte Wasser und alle Umstehenden machen es mir nach.

So geht es von Brunnen zu Brunnen. Denn inzwischen ist es sogar heiss geworden. Drückend heiss. Und ich liebe es…

Immer wieder taucht von irgendwo Stephen auf. Auch jetzt wieder auf dem Weg nach unten. Der Mann ist zwei Jahre älter als ich und lebt im flachen Dänemark und bleibt an uns dran.

Mit Stephen bin kurz nach 10 Stunden Laufzeit bei der 50 Kilometer Marke. Das ist doch schon mal ein Juchzer wert.



Vor Burglauenen haben wir damit die Hälfte geschafft, jetzt geht es wieder nach Hause.

In Burglauenen hol ich meinen Sack und leg mich bei der Sanität in eine Ecke an den Boden und mach eine Auslege Ordnung. Ich lade meine Uhr auf, zieh neue Shirts an (die alten sind pflotschnass) und tausche eine Stirnlampe gegen meine Neo Lupine aus. 

Fabian holt mir Cola und Gels und läuft los, langsam wie er sagt.

Mit Adrian mach ich mich zehn Minuten später auf den Weg und verabschiede mich noch von Stephen, der sich in einer Ecke verarzten lässt. Er wird sicher wieder auftauchen.

Ich hab in Burglauenen Cola getrunken und einen Gel gegessen. Sonst nichts.

Und es läuft recht gut, trotzdem muss ich Adrian ziehen lassen mit dem Versprechen, dass er mit Fabian ins Ziel läuft.

Jetzt laufe ich mit Henrik (aus Dänemark, ein echter Däne) der sich beklagt, dass zu wenig Infos an der Strecke sind, er vermisst unterwegs Angaben, wie weit es ist bis zum nächsten Posten und wie viel Höhenmeter. Ich sag ihm, er soll akzeptieren, dass es immer hinauf geht und dass Wengen erst kommt, wenn du das Gefühl hast, Grindelwald und damit das Ziel kann nicht mehr weit weg sein.



 Es rumort im Himmel oben, aber es sieht nicht bedrohlich aus. Es beginnt leicht zu regnen.

Doch das erste, das ich in Wengen am Verpflegungsposten zu hören bekomme, ist, dass das Rennen unterbrochen sei.



Ich zieh mich mit einem Stuhl zurück in die Sanität. Gebe den Stuhl aber frei für einen deutschen Läufer, der sich massieren lässt an den Wadenmuskeln.

Adrian ruft mir an, sie seien in einer Hütte auf dem Weg hinauf zum Männlichen. Ich frag unseren Streckenposten, was sie tun sollen. Er weiss nicht viel mehr und ich rate Adrian, die Notfallnummer zu wählen.

Stephen kommt jetzt auch in Wengen an und zusammen gehen wir ins Sportzentrum.
Wo ich gerade noch ein Plätzchen finde, um mich auf den Boden zu legen. Es ist voller gestrandeter Läufer und es wird immer voller.

Quan läuft auf der Suche nach einem Platz bei mir vorbei und ich mach ihm Platz. Bald ist er dabei, die Szenerie aufzunehmen und wahrscheinlich per Facebook zu verschicken.

Als Adrian sich wieder meldet (sie mussten die Hütte verlasse und nach Wengen zurücklaufen) gehe ich nach draussen. Inzwischen ist es im Gebäude propenvoll und die Luft sehr stickig.

Draussen hören wir über Lautsprecher die Info, dass in ein paar Minuten informiert werde.

Nach etwa 20 Minuten erhalten wir die Info, dass wir mit der Bahn rauf zum Männlichen fahren müssen. So kommen wir zu einer Gratisfahrt mit der Gondelbahn. Ich bin enttäuscht. Ich hatte endlich mal auf dem Männlichen ankommen wollen ohne Probleme. 

Auf dem Männlichen beeilen wir uns, das Restaurant ist aber ebenfalls bereits voll mit Läufern, die dort gestrandet sind. Trotzdem finden wir zu dritt ein Plätzchen.

Jetzt kommt die erfreuliche Info, dass es einen Restart gebe um 20 Uhr. Die Strecke wird abgekürzt wie vor drei Jahren. Zur kleinen Scheidegg, dann runter nach Alpiglen, dann noch Marmorbruch und zurück ins Ziel.



Was in meinem Fall 80km und 4'100 Höhenmeter ergeben und eine Laufzeit von etwas über 16 Stunden.

Es regnet, als wir um ca. 20.15 das Restaurant verlassen. Zum Glück ist jedoch kein Blitz zu sehen und kein Donner zu hören.



Der Magen ist leer, ich hab im Restaurant nur gerade eine Orange essen können, Cola hilft, den jeweils aufkommenden Schwindel zu unterdrücken.

Dennoch fühlt es sich an, als hätte ich meine Batterien aufladen können. Ich will los sprinten. Ich treffe Clive an, eingepackt in seine Regenjacke und sag ihm, dass ich mit den Boys rennen werde. 



Mit Adrian und Fabian laufe ich zügig bis zur kleinen Scheidegg






 und danach runter bis Alpiglen.



Dort treffe ich die Frau wieder, die mir die Startnummer übergeben hat und beide freuen wir uns über das Wiedersehen. 






Unten in Grindelwald geht es wieder hoch zum Marmorbruch. Bei jedem Bach, den ich höre, bin ich der irrigen Meinung, dass das der Bach ist mit der Brücke, wo nachher gleich der Marmorbruch kommt.

Irgendwann kommt der Marmorbruch, man muss einfach nicht zu gross studieren und einen Fuss vor den anderen setzen, und damit der letzte Verpflegungsposten.

Wir melden uns bei Mägi und Aselia an um 23 Uhr und laufen auch zu dieser Zeit über die Finish Line.




Es ist zu kalt, um auf weitere Läufer zu warten. Nur gerade Stephen läuft kurz nach uns ein.

Nach einem Bier geht es zu einer "christlichen" Zeit ins Bett. Das ist der einzige Vorteil an diesem dritten unterbrochenen Eiger Ultra. 

An drei von bisher sechs Veranstaltungen konnte ein Teil der Läufer/innen nicht die Originalstrecke laufen!

Für mich ist es der zweite unvollständige Eiger und der erste, wo es mit der Gondel hoch ging zum Männlichen.

Ich hatte Clive gesagt, dass ich nächstes Jahr ein Sabbatical in Sachen lange Wettkämpfe plane.

Sonntag

Nach einmal schlafen musste ich mir bereits eingestehen, dass ich sehr gerne wiederkommen würde

Nur schon, um wieder am Sonntag morgen auf der wunderschönen Terrasse des Hotel Spinne die Stimmung nach einem Wettkampf, die Ruhe, den Kaffee und die Aussicht geniessen zu können.







Video - 23 Minuten

Donnerstag, 5. Juli 2018

2018 Biel 100km - 11. Teilnahme von 60 möglichen




Vorbereitung
Der Ermüdungsbruch im rechten Fuss vom 2015 meldete sich zurück, rechtzeitig zum Jahresbeginn 2018. 

Von zuviel kommt halt sowas. Aus den von der Ärztin angedrohten 8-10 Wochen wurden dann 10-12 Wochen.

In der Zeit fuhr ich Velo und trainierte im Treppenhaus das Hinauflaufen.

Es wurde Anfangs April bis ich wirklich wieder schmerzfrei laufen konnte. In den Lauf-Ferien in Giverola (an der Costa Brava in Spanien) traf ich Jean-Francois, mit dem ich wieder Pläne schmiedete. Hatte es letztes Jahr mit den 11 Stunden nicht geklappt, wollten wir dieses Jahr 10 Stunden anvisieren ;-)



Bis zum Bieler betrug das Manko gegenüber dem Vorjahr 500 Kilometer.

Vor dem Start
Auf der Fahrt nach Biel in einen Regen gekommen, der das Autofahren fast verunmöglichte, es leerte nur so runter. Zum Glück waren die Aussichten für die Nacht viel besser und es sollte bis auf ein paar Tropfen trocken bleiben.



Das Auto stellten wir das erste Mal in der Tiefgarage ab und nicht mehr auf dem Platz beim See, und wir warteten auch das erste Mal in der Turnhalle mit all den anderen Teilnehmern, was sehr schön war, all die bekannten und unbekannten Leute (wieder) zu sehen und mit ihnen zu schwatzen.



Meine Frau, Mägi, und mein Schwiegersohn, Fabian, fuhren eine halbe Stunde vor dem Start mit den Velos nach Lyss bei jetzt trockenem Wetter.

Meine Tochter Aselia wollte hinten zu den 100 Kilometern starten, mit Jean-Francois reihte ich mich im Mittelfeld ein und sog die Stimmung vor dem Start ein.



Los geht's
Es waren ideale Bedingungen und das Gänsehaut Feeling beim Start und beim Lauf durch die Stadt ist einfach unbezahlbar.

Es lief mir gut, wir liefen in unserer Pace von 6:30, in Lyss kamen die Velofahrer dazu. Fabian fuhr noch ein Stück mit uns mit, bis er umkehren musste, um Aselia ab Lyss zu begleiten.

Jean-Francois verlor ich bei einer Verpflegung, als ich trödelte, ich lief vor Oberramsern schneller, in der Hoffnung, ihn einholen zu können. Das klappte nicht, dafür müsste ich büssen für dieses Tempo. Schon in Oberramsern hockte ich mich hin. Es war mir übel und ich mochte nichts mehr essen. Die Krise hielt an bis Kirchberg, wo ich mich wieder hinsetzen musste. Und mir Grundsatzfragen stellte, die aber zu nichts führten.

Ich versuchte, eine Salztablette zu schlucken und machte eine neue Erfahrung an einem Lauf: ich musste mich übergeben. Zum Glück hatte es reichlich Abfall Container, denn es blieb nicht beim einen Mal. Kurz danach fühlte ich mich besser.

Auf dem Damm lief es ausserordentlich gut, ich konnte alles durchlaufen in einer Dreier Gruppe. Nur nicht anhalten. Der „Trail-Run“ gibt mir fast jedes Mal neue Kraft, wahrscheinlich auch, weil es tagt und mehr als die Hälfte geschafft ist.

Nach dem Damm gelang es mir wieder, Cola zu trinken und etwas Festes zu essen, dazu drückte ich einen Gel hinunter.


Etwas vom schönsten am Bieler sind die Begegnungen mit anderen Läufer/innen. Meist bleibt genug Zeit, um ein paar Worte zu wechseln


Fast so schön sind die Verpflegungsposten. Wie dankbar müssen wir den vielen Helfern sein!


Und am allerschönsten ist das Foto bei der 99 km Tafel.




Es lief nicht besonders gut, aber es lief. Ich war wie so oft in einem enormen Kaloriendefizit. Mit Cola hielt ich mich auf den Beinen. Erst bei den letzten 10 Kilometern bekam ich Flügel und konnte sie im 5.30-6.00 Schnitt absolvieren.

Im Ziel nach weit über 12 Stunden. Ich musste zufrieden sein, nach dem die Vorbereitung alles andere als optimal war. Und meine Probleme mit der Nahrungszufuhr werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr los.

Nach dem Lauf 
Was an solchen Resultaten immer gut ist: es ist einfacher, sich nächstes Jahr zu steigern.

Danach geduscht, Pflaster auf die Blasen legen lassen und im Ziel auf Aselia gewartet.







Da liefen mir doch tatsächlich die Tränen runter, als die beiden im Ziel ankamen.

Wie kann ich mich doch glücklich schätzen, nicht nur dass mich meine Frau bei meiner Leidenschaft unterstützt, auch dass meine Tochter und mein Schwiegersohn mit Begeisterung Trailrunner geworden sind. In diesem Jahr waren sie mir zuliebe sogar im Flachland unterwegs.



Für dieses Jahr würde es eigentlich reichen. Nach dem Innsbrucker und dem Bieler.

Doch es kommt noch der Eiger, der Iron, der UTMB…Der Ermüdungsbruch 2019 ist vorprogrammiert :-(

Zuerst ging es jedoch gleich am Montag nach dem Bieler mit dem Zug nach Hamburg und dann ab Mittwoch auf eine 1‘200 Kilometer lange Fahrrad-Reise von Hamburg via Amsterdam nach Koblenz
(kleiner Tipp: da meist Westwind herrscht, ist es besser von Amsterdam nach Hamburg zu radeln)




Mittwoch, 6. September 2017

2017 UTMB - Ein erster Versuch








Link zum Video

Es sollte nicht meine Nacht, nicht mein Wetter werden. 
Vielleicht ist es auch nicht mein Rennen, eine Nummer zu gross, aber natürlich werde ich es weiterhin versuchen, den UTMB mit seinen 170 Kilometern und 10'000 Höhenmetern innerhalb von 46,5 Stunden zu bewältigen.

Dabei hatte ich ausnahmsweise keinen Schwindel, nie wurde mir übel. Ich war hingegen kraftlos, schon auf dem ersten grossen Aufstieg zum Col de Bonhomme, der Magen bekam zu wenig für diese Riesenanstrengung und für diese Kälte. 

Ein paar Gels, Nudelsuppe, Kuchen und Biberli. 

Das ist mein Dilemma: Wenig Essen ist gut, da wird mir nicht übel. Mehr Essen ist gut, dann mag ich zulaufen.
Mit wenig Essen fehlt mir die Kraft, mit viel Essen wird mir schwindlig.

Irgendwann brachte ich aber kaum etwas hinunter, ich musste die Gels hinunterdrücken und dabei aufpassen, dass es nicht wieder hochkam.

Ich hatte durch die Kälte und das wenige an Nahrung zu wenig Kraft. Ausser nach Saint Gervais bis nach Les Contamines. Da hätte ich Bäume ausreissen können. Vielleicht war ich da auch zu schnell unterwegs. Ich überholte bergauf dutzende von Läufern. Ich musste auch dranbleiben, weil die Durchgangszeiten recht knapp bemessen sind.
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Mit Christian, meinem bewährten Supporter vom Bieler und vom Eiger, war ich am Mittwoch nach Chamonix gefahren. In seinem VW Bus fanden wir einen Platz im Camping «les deux Glaciers». Und tatsächlich hingen die beiden Gletscher oberhalb unserem Platz am Felsen. Sah nicht so vertrauenserweckend aus nach den Ereignissen in Bondo im Bergell, wo der Berg heruntergekommen war. Zudem krachte es oben öfters. 




Später erfuhren wir, dass das von Bauarbeiten herrührte. Der Camping-Platz hatte auch schon bessere Tage gesehen, er entsprach nicht den drei Punkten, die er auswies, vor allem im sanitären Bereich.

Am Mittwoch holten wir die Nummer nach einer Stunde anstehen ab.



Auf der Messe trafen wir einige bekannte Läufer unter anderem Sage Canaday, den ich auf youtube verfolge.

Link zu Sage's Race Report




Am Donnerstag konnten wir nicht viel unternehmen, es regnete den ganzen Tag. 




Am Freitag legte ich mich nochmals hin, sortierte alle Utensilien, ass die ganze Zeit Brot, Kartoffeln und Haferflocken 




und dann fuhren wir nach Chamonix.

Die Atmosphäre ist schon unglaublich. Und es blieb trocken, der angekündigte Regen blieb aus. Aber kalt war es. 

Im Startgelände traf ich auf Wolfgang, auch ein Ultra-Trail Süchtiger. Ihm stellten sich die Nackenhaare auf beim Lied «Conquest of paradise». Ich war dazu viel zu nervös.



Endlich ging es los und während hunderten von Metern wurden wir von Zuschauern angefeuert. Das war schon speziell schön.

Wie nicht anders erwartet, ist man zu Beginn von Läufern umgeben, auf dem Weg nach Saint-Gervais gab es sogar Stau. Von hinten kam Martin Hochuli und sprach mich an. 




Letztes Jahr bei seinem ersten Versuch lief er bis Arnouvaz (96km) und hörte dann auf. In diesem Jahr sollte es klappen, er schaffte den UTMB. Er lief auch zügig und war bald auf und davon. 

Die Strecke ist sehr gut beschildert, trotzdem lief ich einmal falsch, weil ich den Vorderleuten nachlief, bis sie mir wieder entgegen kamen.




Von Beginn an fühlte sich mein Bauch nicht gut an. Irgendetwas lag mir quer im Magen. Zum Glück besserte sich das nach etwa einer Stunde.

Vor Saint-Gervais begann es zu regnen, ich zog mit Hilfe eines Zuschauers meine Regenjacke an, musste sie aber nach zehn Minuten abziehen, weil es bereits wieder aufgehört hatte. Es war viel zu warm mit Regenjacke. Das sollte noch eine Rolle spielen. Oben war es sehr kalt (mit Wind Chill Faktor soll es minus 9 Grad gewesen sein) und in den Dörfern war es etwa 15 Grad wärmer. 

Wenn man sich nicht ständig umziehen will, schwitzt man in den Tälern und mit den nassen Sachen am Körper friert man in der Höhe. Nicht wenn man läuft, aber sobald man stehenbleibt.

Vor La Balme freute ich mich auf die Nudelsuppe. Doch die Nudeln waren ausgegangen, es gab nur Suppe.

Der Col du Bonhomme (2456m) war ein harter Brocken. Ich machte mir Sorgen. 
Was, wenn mir jetzt schwindlig würde mitten in der Nacht, so weit weg von der Zivilisation (beim Irontrail scheinen mir die Distanzen nicht so weit). 

Die Lichterketten sind beeindruckend, ich hätte mich gerne länger umgesehen, dazu war es aber viel zu kalt. 




Ein eisiger Wind blies. Die Wege waren ok, nur zwischendurch war es schlammig. Aber dafür, dass es am Donnerstag nur geregnet hatte, waren die Wege recht trocken. 

Oben hast du immer das Gefühl, jetzt bist du zuoberst, aber dann geht es nochmals um eine Ecke und du siehst weiter oben weitere Läufer. Das ist es dann und ja, da ist ein Sanitätszelt, das wird es sein. Ist es aber nicht, es geht weiter und irgendwann siehst du wieder weiter oben wiederum Läufer. Ich kenne keinen verwirrenderen Gipfel als den Col du Bonhomme. Rechne nie damit, dass du oben bist. Lass dich überraschen.

Ich schaffte es runter bis Les Chapieux und fühlte mich gar nicht gut.

Mit der Nudelsuppe setzte ich mich hin und wurde von einem Schweizer angesprochen, der davon sprach, dass er aufgegeben hat und in einer Viertelstunde fahre ein Bus nach Courmayeur. Das hörte sich an wie eine süsse Melodie: Bus nach Courmayeur. Das klang recht verführerisch.

Sollte ich in meiner Verfassung wirklich noch den Col de la Seigne (2516m) hoch?

Ich hatte keine Probleme mit dem Magen, der fühlte sich einfach an, als würde er aus Mangel an Nahrung sich selber aufessen. Aber mein Kreislauf schien nicht rund zu laufen. Ich hatte Mühe mit Atmen, mein Brustkorb war eingeengt und ich hatte wenig Kraft. Immer wieder musste ich anhalten und ausruhen.

Wenigstens die Hälfte sollte es schon sein.

Also verabschiedete ich mich vom Schweizer und lief wieder los, den Col de la Seigne hoch. 

Für die 1000 Höhenmeter brauchte ich drei Stunden, wahrscheinlich ein Negativrekord. Der Tag dämmerte langsam, der Himmel war aber wolkenverhangen. Die Szenerie nicht speziell, halt fast wie überall in den Bergen. Als Schweizer muss man deswegen nicht nach Chamonix. 
Wie durch ein Wunder blieben wir vom Regen bis auf ein paar Tropfen verschont, während es in Chamonix kräftig regnete in dieser Nacht.

Auf dem Weg nach unten traf ich auf den ältesten Teilnehmer, den 75jährigen  Christoph Geiger aus der Schweiz. 




Er war zum sechsten Mal dabei und hatte vor zwei Jahren einen Finish. Unglaublich, das in dem Alter. Er kämpfte mit Magenproblemen und hat an einem Verpflegungsposten vor Courmayeur aufgegeben.




Beim Lac Combal herrschte Verwirrung wegen der Schlusszeiten. Mir blieben nur zehn Minuten, ich verschlang Kuchen, Gel und Suppe und lief weiter.

Ein letzter Hügel mit zusätzlichen 450m lag vor mir, Mont-Favre (2434m).

Alle bewegten sich jetzt im Tempo von Mount Everest Besteigern, die in der Todeszone unterwegs sind. 

Oben steht eine Hütte, das muss der Gipfel sein. Ist es aber nicht. Weiter hinauf. Meine Garmin würde mir ja genau sagen, ob ich oben bin, dazu müsste ich aber meine Brille aus dem Rucksack holen und das Profil studieren. Das war mir zu umständlich und oft ist die Info auf der Uhr so entmutigend. Ich hätte auch die warmen Handschuhe abziehen müssen.

Ich hatte noch welche kaufen wollen in Chamonix. Christian und ich liefen in etwa 10 Sportgeschäfte und oft empfingen sie uns mit den Worten, dass sie keine wasserdichten Handschuhe mehr hatten.

Ausser ausgangs Dorf, da hatten sie noch welche und die waren Gold wert bei diesem Lauf.

Die letzten 800 Meter runter von Col Checruit nach Courmayeur waren eine rechte Herausforderung. Es war sehr steil, hatte viele Stufen und sogar auf dem Weg nach unten musste ich kurze Pausen einlegen.
Jetzt wurde ich das erste Mal von vielen Läufern überholt. Alle mussten sich beeilen wegen der Schlusszeit von 13 Uhr in Courmayeur.

Ich wollte auch noch gewertet werden, brauchte aber keine Zeit-Reserven, um zu essen und mich umzuziehen. 

Christian wartete vor dem Dorf, wie schön war es, ihn anzutreffen, und er begleitete mich bis zum Sportzentrum. Dort musste ich nicht lange überlegen und hatte auch nichts zu bedauern. Ich meldete mich vor 13 Uhr vom Lauf ab und sie schnitten mir unten rechts auf der Nummer ein Viereck aus. 

Aus und vorbei.

Und gut war’s.



Christian stellte fest, dass in beiden Augen je ein Äderchen geplatzt war. Das entsteht anscheinend durch Überanstrengung. 

Dramen spielten sich nun in der Halle ab. Läufer und Läuferinnen, die weiter wollten, aber erst nach 13 Uhr eintrafen. Sie verstanden die Welt nicht mehr. Einer setzte sich hin und heulte los.

Es war auch Verwirrung entstanden durch das Streichen von zwei Bergen und dem um eine halbe Stunde verschobenen Start.

Eigentlich war Schluss um 13.15 Uhr, dazu eine halbe Stunde für den verspäteten Start ergibt 13.45 Uhr. Davon zogen sie uns für den einen eingesparten Berg 45 Minuten wieder ab. Ergibt 13 Uhr. 
Was aber nicht viel Sinn ergibt. Zwei Berge gestrichen, dafür 30 Minuten weniger Laufzeit und dann soll der eine Berg 45 Minuten wert sein.

Das wurde zwar am Vortag kommuniziert. Offensichtlich war ich nicht der einzige, der es nicht genau studiert hatte!

Beim Herausgehen trafen wir Wolfgang und seine Frau. Er hatte dieselben Probleme wie ich. Während dem Rennen denkt man die ganze Zeit, ich mach das nie mehr, wieso soll ich mich so quälen. 

Normalerweise ist das Verhältnis ok. Achtzig Prozent geniessen und sich freuen und zwanzig Prozent Qual. Hier beim UTMB in diesem Jahr war das Verhältnis für mich umgekehrt.

Und dennoch: schon beim Gespräch mit Wolfgang sprachen wir vom nächsten Mal und was wir besser machen könnten.

In Courmayeur tranken wir in einer Bar einen Kaffee und ich trank gleich zwei von meinen Soja Schokoladen Getränken. Danach standen wir mit dem VW Bus in die Schlange vor dem Mont Blanc. Es dauerte zwei Stunden bis wir zurück auf unserem Zeltplatz waren. Das war mir jedoch so was von egal. Hauptsache sitzen in der Wärme.

Wir beglichen die Rechnung vom Zeltplatz und fuhren nachhause. Bereits um 22 Uhr war ich am Samstag zuhause. Der Gedanke, dass ich jetzt noch unterwegs sein könnte, liess mich erschauern.


Die Lehren:

Mehr Training, 10 Stunden pro Woche sind offenbar zu wenig
Mehr strukturiertes Training, evtl. Personal Trainer suchen
Regelmässige Sportmassagen und Pilates für’s Dehnen
Weniger Rennen, 51er beim Eigertrail und Irontrail auslassen
Erst am Wettkampf-Tag anreisen 




Von den 57 gestarteten über 60jährigen Läufern sind 14 ins Ziel gekommen.  75% der über 60jährigen haben aufgegeben.

Vielleicht müssten wir um längere Laufzeiten nachsuchen für Senioren oder nur schon eine bessere Aufteilung. Hat man doch für die erste Hälfte nur 19 Stunden Zeit und für die zweite Hälfte ganze 27,5 Stunden. Hier meine Daten:






Link zu UTMB Live-Trail