Mittwoch, 24. September 2014

2014 Trailrunning im Valais (PTT) - Trail des Dents du Midi


Trail des Dents du Midi












Unsere Ferienplanung im Herbst ist relativ einfach. Wir fahren in die Berge, zum Wandern und Mountainbiken entweder nach Bayern, Tirol (Süd oder Nord) oder wir bleiben in der Schweiz.

In diesem Jahr erzählte ich meiner Frau von diesem Juwel in den Walliser Alpen, Champéry. Irgendwann habe ich ihr auch gebeichtet, dass während unserer Ferienzeit ein Lauf stattfinden würde.

Um ihren Protesten zuvorzukommen, relativierte ich das Vorhaben: nur wenn ich mich genügend erholt hätte vom Irontrail vor 5 Wochen, nur wenn das Wetter gut wäre und wir beide, die nicht ganz schwindelfrei sind, die Passage Pas d’Encel meistern könnten.

Damit war „die beste Ehefrau von allen“ einverstanden (kennt noch jemand dieses Zitat oder musst du googlen?). Ich konnte sie sogar überreden, die erste Etappe selbst zu laufen.


Auf einer Wanderung am Montag vor dem Lauf passierten wir Pas d’Encel zweimal und es war tatsächlich keine einfache Sache, für uns grenzte es an alpine Kletterei , Ketten waren zwar vorhanden, aber wer nicht absolut trittsicher und schwindelfrei ist, sollte es sich gut überlegen.

Seit ich Kind bin, habe ich Türme gemieden und schon mehrfach bin ich in den Bergen auf allen vieren gekrochen. Durch die Läufe in den Bergen hat sich das im letzten halben Jahr massiv gebessert, ich muss mich einfach auf den Weg konzentrieren und sollte nicht zu fest in die Tiefe schauen.
Damit war der Weg frei für meine zwei noch benötigten UTMB Punkte für 2015.
Wir meldeten uns kurzfristig an, drei von vier Wetterprognosen sagten keinen Regen voraus.

Um sechs Uhr morgens liefen wir mit etwa 300 anderen Verrückten los, 57 Kilometer und 3700 Höhenmeter lagen vor uns, die zeitliche Limite betrug 15 Stunden.
Bis zu den Lac d’Anteme waren schon mal die ersten 1000 Höhenmeter zu erklimmen, inzwischen tagte es auch. Die Wege waren schlammig, es hatte am Vortag reichlich geregnet.

Sobald es hinunterging, musste meine Frau einen Gang zurücknehmen. Dabei wurden wir von allen überholt und bald waren wir die letzten, nur noch ein Pole begleitete uns immer wieder ein Stück. Er war schneller hinunter, hinauf holten wir ihn wieder ein.

Viel reden hätten wir sowieso nicht gekonnt: Zu unserer Zeit gab es in der Schule noch kein Frühfranzösisch in der Primarschule. Mit meinem Französisch konnte ich mich nur gerade für die Cola bedanken. Behält ja das Frühfranzösisch bei (einige Kantone in der Schweiz wollen das abschaffen), damit ihr euch später mit euren Kollegen beim PTT unterhalten könnt (VTT ist das Vélo-Tout-Terrain, allgemein bekannt unter dem Namen Mountainbike, zu Fuss muss das dementsprechend Pied-Tout-Terrain heissen). 





Nach den 1000 Höhenmetern ging es noch ein wenig hinauf und hinunter, aber eher flach nach Soi, einem Verpflegungsposten und dann mehrheitlich hinunter bis nach Vérossaz, dem Tiefpunkt des Laufs auf 810 Metern gelegen.



Hier fand auch die Uebergabe an den zweiten Läufer statt für die, die zu zweit den Lauf absolvieren (TRAIL RELAIS mit zwei Relayeuern). Die dritte Variante ist, am Freitag starten, einmal übernachten und die Strecke in zwei Tagen zu bewältigen. Ideal für vernünftige Leute.

Meine Frau war erschöpft und  froh im Ziel zu sein.  Ich bat sie, Riegel zu essen und vom kohlenhydrathaltigen Getränk zu nehmen. Wir verfolgten die Elite Läufer, die drei Stunden nach uns gestartet waren und uns nach etwa fünf Stunden bereits überholten.

Es ging ihr nach dieser Pause besser und sie wollte noch eine Etappe mitmachen bis nach Mex, bis dorthin waren es etwa 300 Höhenmeter von den 1400 Höhenmetern von Vérossaz bis zum Col du Jorat auf 2200 Metern.


In Mex war das Beenden des Laufs aber kein Thema mehr. Wir kamen langsam aber stetig voran. Erst nach Mex ging es ans Eingemachte. Wir mussten weg von der Strasse und praktisch vertikal nach oben. 




Wir zwangen uns zu essen und zu trinken und nicht länger anzuhalten. Wir sahen das Ziel näherkommen mit jedem Schritt und irgendwann waren wir oben.
Jetzt ging es hinunter, aber kaum eine Rede von laufen lassen, es war zu technisch, immer wieder verblockte Stellen, Hindernisse, kaum aufgeräumte Wege. Wer will sich da beklagen, wir sind ja schliesslich Trailrunner.

Es beginnt zu regnen beim Verpflegungsposten am See, das stört uns kaum, die Nahrung baut uns wieder auf und dank Cola ist die Batterie wieder bald bei 100%. Noch 500 Höhenmeter, ist doch ein Klacks. Doch je länger ein Rennen dauert, desto länger werden die Kilometer, desto höher die Höhenmeter, muss irgendein physikalisches Gesetz sein.

Vom Pas d’Encel war schon die Rede, dass uns aber beim Col du Susanfe ebenfalls eine Kletterei erwartete, das war neu. Doch irgendwann sind einem die Abgründe, die schmalen Wege, die Ketten egal, man will nur weiter. Also gar nicht beeindrucken lassen.


Mondlandschaft pur auf dem Sattel und wieder geht es hinunter, langsam läuft uns die Zeit davon. Jeder Abschnitt benötigt mehr Zeit. Bei der Hütte von Susanfe kaufe ich Batterien für die Stirnlampe und Cola, meine Frau läuft inzwischen weiter. Ich treffe nach der Hütte den Polen an und irgendwann auch meine Frau. Wir haben noch eine Stunde bevor es dunkel wird. Ziel ist es, möglichst viel noch bei Tageslicht zu bewältigen. Der Pole verabschiedet sich, hinunter läuft er ein zügigeres Tempo.

Jetzt der Pas d’Encel.  Ein Helfer begrüsst uns kurz davor, wir seien die letzten Läufer und er werde uns begleiten. Er hilft uns über die schwierigen Stellen, zwei junge Leute aus Champéry kommen von hinten dazu und begleiten uns. Irgendwo mitten im schwierigsten Gelände hocken noch drei fröhliche Zuschauer auf einem Felsen mit gefüllten Weissweingläsern, das Walliser Cliché schlechthin, und offerieren uns ein Gläschen, das wir dankend ablehnen.

Es wird knapp mit dem Streckenschluss von 21 Uhr. Der Helfer (leider habe ich mich nicht nach seinem Namen erkundigt) ist bereit, mit mir ins Tal zu sprinten und die zwei Jungen wollen meine Frau begleiten, eventuell bis zum Parkplatz, sollte es nicht mehr reichen.

Wir beide rennen los, er mit Seil und schweren Bergschuhen.  Vor acht Uhr wird es dunkel, noch eine Stunde Zeit bis ins Ziel. Unterwegs treffen wir auf den Polen und nehmen ihn mit. Es geht jetzt steil nach unten, da wäre noch eine Strasse, doch wir halten uns an den vorgeschriebenen Trail, Rutschen gehört dazu. Der Helfer wechselt beim Parkplatz nach Bonavau seine Schuhe und plötzlich muss ich mich anstrengen, um an ihm dranzubleiben. Er hält seine Taschenlampe zu uns nach hinten, ich bedanke mich des öftern dafür und hör nur immer: Service.

Im Grand Paradis, ein paar Kilometer vor Champéry, mag der Pole nicht mehr rennen, der Helfer bleibt bei ihm und ich mach mich alleine auf. Im Dorf ist es ausgestorben, zwanzig Minuten vor dem Streckenschluss bin ich im Ziel und habe mir die zwei Punkte für den UTMB gesichert.

Der Pole kommt fünf Minuten später und ein Wunder geschieht, ich weiss nicht, wie sie es geschafft hat, aber noch innerhalb der Toleranz erreicht meine Frau das Ziel in Champéry, nach 57 Kilometern und mehr als 3‘700 Höhenmetern. 


Ich begrüsse sie im Club der Trailrunner und Ultramarathonis. Einem Club, dem sie nie angehören wollte.

Ist der Lauf zu empfehlen: 

Absolut, die Strecke ist einmalig, die Leute sehr hilfsbereit und über kleinere Mängel muss man bei diesem fast familiären Anlass hinwegsehen.

Ein Trail, dem man mehr Läufer und Läuferinnen wünscht.




Montag, 18. August 2014

2014 Irontrail - T141 - 145.8 Kilometer - 8220 Höhenmeter








Sonnenaufgang auf dem Fuorca Surlej





Fotofilm:

http://youtu.be/sqqkLCW4-NY

Film:
http://youtu.be/Sxyu6Kdy8Eg




Bei aller Planung und die beginnt bei mir schon Wochen vorher, kann immer etwas unvorhergesehenes passieren. Auch wenn man meint, alles abgeklärt zu haben. Zum Beispiel, dass man in Samedan um 15 Uhr ankommt und der Streckenposten erst um 18 Uhr öffnet. Zum Glück fand ich in Samedan eine Hotellounge mit bequemen Stühlen.

Einen Läufer aus Polen traf ich um 18 Uhr in der Turnhalle, im Ruheraum in einer Ecke lag ein Österreicher und ein Deutscher gesellte sich später noch zu uns zu allerlei Fachsimplerei.

Marc, so hiess der Deutsche, wollte ebenfalls in etwa 40-44 Stunden durchkommen und so beschlossen wir, es gemeinsam anzugehen.

Wir legten uns noch ein wenig hin, es war aber zu kalt. Beim Mammut Stand hatten sie Erbarmen und gaben mir einen Schlafsack, der für den Transport der Schaufensterpuppen gebraucht wurde.

Wir konnten die Elite beobachten, sie kamen nach geleisteten 56 Kilometer nach 19 Uhr in die Turnhalle vorne rein und mussten nach dem Verpflegungsposten hinten zur Turnhalle wieder hinaus. Schon bald nach den ersten paar Männern kam die erste Frau, Denise Zimmermann.

Um Mitternacht liefen wir los in den Freitag hinein und auf den Muottas Muragl hinauf. Unser Team machte sich gut, wir hatten in etwa die gleiche Pace. Schon bald waren wir allein unterwegs, weiter oben die schnelleren und weiter hinten ein paar Lichter.

Schön, dass wir nicht alleine waren und noch schöner war, dass wir bis zum Schluss in Davos zusammenblieben. Ich weiss nicht, ob ich immer so alleine auf weiter Flur das Rennen beendet hätte, ich stellte mir das recht trostlos vor.

Ich bin nicht schwindelfrei und wie es nach Pontresina runterging, wollte ich gar nicht so genau wissen. Die Dunkelheit half, da war einfach nichts zu sehen.

Zu uns gesellte sich Felix, der älteste T141er, nur der Sicurelli war noch älter und der lief den 201er. Felix kannte die Gegend und wusste, was wir zu erwarten hatten.

Einen steilen Aufstieg zum Fuorcla Surlej. Weit vorne sahen wir die Lichter anderer Läufer, weit vorn und weit oben. Zum Glück begann es zu tagen und als wir oben waren, sahen wir einen spektakulären Sonnenaufgang.

Danke, Herr Tuffli, sehr gut getimt.

Rüber zur Station, wo kurz davor ein 201er mehr stolperte als lief, er musste alles wieder hergeben, was er gegessen hatte. Der arme Kerl.

Felix ging es auch nicht gut, er schlotterte am ganzen Körper. Marc und ich assen etwas und gingen los, als es zu schneien begann. Jetzt war der Weg rutschig geworden und es ging steil bergab. Weiter unten gab es endlich Wege, wo wir zu Trail-Runnern wurden, bis jetzt waren wir Trail-Wanderer. Es tat gut, in einen anderen Rhythmus zu wechseln.

Locker ging es nach Maloja, wir waren zügig unterwegs und konnten es daher nicht glauben, dass uns Felix wieder einholte. Dass er überhaupt weiterlaufen würde, war für uns erstaunlich.

In Maloja gab es eine Viertelstunde Pause, so viel muss sein, Felix zog früher los und war am Schluss sieben Stunden vor uns im Ziel. Chapeau, Felix.

Ich ass das erste Mal an einem Rennen Kartoffeln und die sollten sich bewähren. Ausser Kartoffeln gab es für mich Enervit Riegel, Enervit Iso Getränk, Cola, Bouillon, Erdnüsse und zwei Sponsor Riegel, die ich mitgenommen hatte. Sonst nichts. Keine Gels.

Jetzt lief es richtig gut, wir waren sehr optimistisch, herrliches Wetter, eher auf der kalten Seite, aber trocken, es ging rauf auf den Lunghin Pass, wir hatten einen guten Tritt und sollten nach unseren Berechnungen so circa um sechs Uhr in Savognin sein (es wurde einiges später).

Runter ging es nach Bivio und der Himmel verdunkelte sich und wir wurden durch und durch nass bis wir beim Verpflegungsposten waren. Zuerst liefen wir noch daran vorbei, wurden aber zum Glück von den hilfsbereiten Streckenposten zurückgerufen.

Dort gab es einen längeren Halt, der Regen wollte nicht aufhören. Noch dreimal hinauf und dann hinunter nach Savognin, hiess es. Wir liefen bei Regen los und ich vergass meine Stöcke und musste nochmals ein paar Hundert Meter zurücklaufen.

Es ging wirklich hinauf, wir zählten, einmal, wieder hinunter, das zweite Mal hinauf, wieder hinunter, das dritte Mal hinauf, wieder hinunter, jetzt sind wir bald in Savognin, wurde auch langsam Zeit, weil jetzt sollten wir eigentlich schon dort sein. Wir kamen aber auch nicht vorwärts, die Wiesen waren voller Wasser, die Wege voller Schlamm, ich rutschte ein wenig, Marc hatte weniger Profil und keine Stöcke, er lief wie auf Eiern oder wie auf Seifenwasser. Es war mit der Zeit nicht mehr lustig und vor allem ging so viel Zeit verloren.

Aber was ist das, es geht nochmals hinauf, ein viertes Mal? Wir waren noch gar nicht auf dem dritten Gipfel. Das schlug auf die Moral, es dunkelte langsam, der nächste Streckenposten war im Freien und hatte nichts warmes anzubieten.

Dafür beruhigten sie uns, Savognin noch eine Stunde, zuerst Strasse, nachher Trail. Beim Trail stand dann über zwei Stunden und an Running war nicht zu denken bei den schlechten Wegen und der Dunkelheit.

Wir waren durchfroren, müde, erschöpft und mussten einen Trail hinunter, der schmal war, an steilen Wänden entlang und auf der anderen Seite waren steil weit unten Bäume, Farn oder nichts zu sehen. Der Trail wurde durch Bäche unterbrochen, wo man sich fast auf die andere Seite hangeln musste und wo der Weg nur zu erahnen war. Andere Läufer stiessen zu uns. Weil Marc und ein andrer nicht mehr so gut laufen konnten, blieben wir weiter unten auf der Strasse. Wir sahen endlich die Lichter von Savognin, aber der Weg ging vom Dorf weg und wieder hinauf. Wir wollten doch hinunter. Das musste sicher der Weg für die T81er sein. Also nahmen wir den direkten Weg zum Dorf hinunter.

Dort war es still und niemand zu sehen, ich rief an, wir sind in Savognin und suchen die Unterkunft. Sie schaute nach (via GPS Tracker) und sagte uns, dass wir nicht in Savognin sind, sondern im Nachbardorf und wir noch zwanzig Minuten bis Savognin laufen müssten.

Das haute uns aus den Socken. Sie erklärte uns den Weg. Auf einer geteerten Strasse dem Fluss entlang. Sie könne uns auch abholen, damit seien wir aber raus aus dem Rennen.

Wir wollten noch nicht aufgeben und liefen los. Der geteerte Weg hörte aber auf. Wieder anrufen, ja über die Brücke auf die andere Seite und ja, da ist der Weg nicht mehr geteert.

In Savognin fanden wir die Unterkunft nicht, also wieder anrufen, jetzt führte sie uns mit einer Engelsgeduld bis zum Schulhaus. Endlich warm, endlich Essen.

Und aufhören. Wir setzen doch nicht unsere Gesundheit aufs Spiel. Wir waren kaputt, völlig fertig, über dem Anschlag, vor allem ich war überzeugt, dass wir die Startnummer abgeben würden.

Jetzt kam der Auftritt eines anderen Läufers, der unsere Diskussion mitbekam und uns regelrecht die Leviten las. Wir wären Idioten, wenn wir jetzt aufhören, der anstrengende Teil sei vorüber, was sollen wir sonst am Samstag machen und das würde uns ein Leben lang verfolgen.

Solcher Rat sei für seine Kunden teuer, er würde ihn uns aber gratis geben.

Okay.

Wir hatten abgemacht, dass wir uns eine Stunde hinlegten und erst nachher entscheiden. Also legte sich Marc hin, legte ein Tuch über seinen Kopf und schlief ein.

Ich konnte an Schlaf nicht denken, zu viel Cola getrunken und einer schnarchte viel zu laut im Ruheraum. Also holte ich nochmals eine Kartoffel, ging nachher Zähne putzen und legte mich dösend hin. Ich zog vorher noch die Schuhe und Socken aus. Alle Zehen waren schwarz, aber zum Glück nur vom Dreck und Schlamm. Mit einer Serviette brachte ich den grössten Dreck wieder weg.

Um zwei Uhr morgens ging Marc’s Wecker, er schaute mich an und ich sagte ihm, die Standpauke hätte mir so zugesetzt, wir müssen gehen.

Ein herzhaftes Dankeschön an den unbekannten Läufer.

Wir starteten so gegen drei Uhr morgens, 27 Stunden nach dem Start in Samedan.

Ich war so euphorisiert durch diesen Entscheid, dass das Laufen danach wieder locker möglich war. Zudem wusste ich, dass meine Familie in Arosa definitiv am T21er starten würde und ich freute mich auf sie. Und sie wussten, dass ich es nicht bis 10.30 Uhr nach Arosa schaffen würde. Nicht mal annähernd.

In meiner Unwissenheit hatte ich meine Familie ein paar Tage vor dem Start noch darüber informiert, dass ich in Arosa durchlaufen würde, falls ich viel früher dort sein sollte und nicht auf sie warten würde, die ja erst um 10.30 Uhr zum T21 starten sollten.

Das hatte ich alles hochgerechnet anhand anderer Wettkämpfe.

Aber es lässt sich keiner mit dem Irontrail vergleichen. Es geht beim Irontrail hinauf, steil, es geht hinab, steil und geht es mal nicht hinauf oder hinab, ist die Kraft nicht mehr da oder sind die Wege in einem schlimmen Zustand oder es ist Nacht.

Also vergiss all deine Berechnungen.

Schönes Beispiel: Von Savognin sollte es ein wenig hochgehen und dann runter nach Tiefencastel. Aber vom locker hinunterlaufen war keine Spur, es war ein anstrengendes Herabsteigen in der Dunkelheit.

Wir sind halt Trailrunner und wollen nicht auf der Strasse laufen, Herr Tuffli gibt uns nur das, was wir wollen und das im Übermass. Danke, Herr Tuffli.

Aber wir verfluchen ihn die ganze Zeit und doch sind wir ihm am Ende in Davos so dankbar für all das Erlebte.

Dann wieder hinauf auf die Lenzerheide, dort beim Posten verarzten lassen, überall entstehen Blasen. Dass der Puls nicht mehr ansteigt, ist nicht beunruhigend, meint der Arzt.

Bis zur Mittelstation läuft es sehr gut, die Krisen kommen unverhofft. Manchmal tut ein Schluck vom isotonischen Getränk gut, manchmal wird einem kurz danach schwindlig. Cola hilft, aber nicht immer. Der Magen fühlt sich gar leer an, also sollte ich was nehmen. Der Riegel hockt aber quer im Magen. Nach der Mittelstation auf dem Weg zum Urdenfürggli kommt so eine Krise, diese dauert lange und geht aber zum Glück vorbei.

Dafür kommt jetzt der Hagel, es zieht und ist bitterkalt. Auf dem Hörnli hocken wir in die zugige Luftseilbahnstation und gehen bald weiter.

Also noch rauf zum Weisshorn, dann Arosa, dann das letzte Stück, das wird jetzt locker werden.

Denkste. Beim Weisshorn ist nichts mit Serpentinen, wir müssen die Direttissima nehmen, das geht in die Beine, der Körper mag nicht mehr, der Puls steigt nicht mehr an, die Puste fehlt und was soll dieser Umweg auf das Weisshorn? Das ist doch reine Schikane. Müssen es 8200 Höhenmeter sein? Der Tuffli ist ein Sadist, der lacht sich doch den Ranzen voll.

Oben ist es kalt, kein Mensch ist dort und Aussicht ist auch keine.

Vor Arosa sehen wir eine Läuferin nach der Tschuggenhütte rechts abbiegen, als wir dort hinkommen, sehen wir einen riesigen Pfeil nach links, doch sie ist zu weit weg.

In der labyrinth-artig angelegten Unterkunft in Arosa treffen wir wie überall auf überaus hilfsbereite Menschen, die Erbarmen mit uns haben, das wir nicht verdienen. Wir wollen ja, dass der Tuffli uns quält, uns sollte man auslachen.

Natürlich saugen wir die Bewunderung ein wie Kinder die Muttermilch.

Fluchend kommt die Frau, die falsch gelaufen ist und lässt sich nicht überzeugen, dass dort ein korrektes Schild angebracht ist.

In einer Ecke hockt ein Schotte, ein 201er, der eine Stunde in Arosa herumgeirrt ist. Es muss noch andere Sprayereien am Boden gehabt haben für eine andere Veranstaltungen, meint er.

Wahrscheinlich hat er sich das eingebildet. Apropos, wie ist das mit den vielen Frauen, die mit mir gesprochen haben, sobald ein Bach oder ein Fluss neben uns her floss? Und wie ist das mit den vielen Läufern, die ich hinter Marc hörte und da war nie jemand?

Wir boten Ian, dem Schotten, an, sich uns anzuschliessen und den Rest noch gemeinsam zu meistern. Das war auch für uns ein guter Deal, stellte er sich doch als redseliger, interessanterMensch heraus und Marc war sich ein dauer-plappernder Mitläufer gewohnt.

Es war ein guter Plan, die folgende Strecke bei Tageslicht zu absolvieren, nur leider ging er nicht auf. Vor dem Aufstieg hoch nach Medergen wurde es dunkel.

Nach Medergen wurde jeder Fusstritt zu einer Prüfung und der Weg hörte nicht auf, vor allem weil wir so langsam unterwegs waren. Er war auch nicht immer einfach zu finden.

Endlich sah ich einen beleuchteten Wohnwagen, ich sah hinter dem Fenster Menschen sich bewegen, ich sah das Auto vor dem Wohnwagen und lief darauf zu.

Ich halluzinierte, es war kein Wohnwagen, es war kein Auto, beim Näherkommen sah ich plötzlich nur noch Felsen mit Schatten darauf.

Ian klärte mich auf, das sei normal, ich soll mir keine Sorgen machen, auch werden vom Körper einzelne System heruntergefahren.

Irgendwann kamen wir in Jatz an.

Dort hockten wir leider draussen, bekamen aber Decken und sogar eine kurze Massage.


Was ihr Helfer da leistet, ist wirklich bewundernswert. Ihr habt soviel
Verständnis für unsere Verrücktheiten. Ich nehme mir vor, endlich auch einmal Fronarbeit an einem Event zu leisten. In Amerika gibt es einen Lauf, da kann man sich nur anmelden, wenn man vorher acht Stunden Einsatz geleistet hat.



Jetzt wurde es pickelhart, hinauf auf den Strelapass. Einen Fuss vor den anderen, keine Zweifel aufkommen lassen, den Körper vor Kälte zittern und sich nicht beeindrucken lassen, ab und zu ein Schluck Cola oder isotonisches Getränk. Hinauf, hinauf, hinauf. Die Luft wird dünn, es wird immer kälter, die Sicht ist schlecht, die Wege verschlungen.


Marc’s Lampe hat seinen Geist aufgegeben, ich gebe ihm meine Batterien. Dafür gibt mein Tracker seinen Geist auf und oben auf dem Strelapass haben sie keine Ersatzbatterien für den Tracker. Ich rufe dem Freund meiner Tochter an, die Verbindung ist schlecht, in neunzig Minuten sollten wir unten sein.

Auf dem Weg zur Schatzalp wird auch meine Stirnlampe immer schwächer, ich bin fast blind, werde immer langsamer, plötzlich sehe ich die anderen beiden nicht mehr. Ich rufe verzweifelt nach ihnen, da stellen sie ihre Lampen wieder an. Sie wollten testen, ob es mit demMondlicht alleine auch gehen würde. Wie haben die das bloss früher gemacht? Zu Ötzi’s Zeiten?


Unser Team meistert auch diese Krise und wir kommen zur Schatzalp, wo ein hilfsbereiter junger Mann uns entgegenkommt, alleine um uns den richtigen Weg zu zeigen.


Wow.


Und jetzt bekommen meine Halluzinationen einen Riesenschub. Alle Wasserflecken auf der Strasse auf dem Weg hinunter nach Davos beginnen zu leben. Ich sehe Bilder wie aus einem Comicbuch aus den 50er Jahren, viele Szenen mit Restaurants, Tankstellen und Campingplätzen. Dabei bin ich überhaupt nicht der Camper.

Ich kann stehenbleiben und nach unten sehen und es beginnt zu leben.

In Davos unten zeigt uns Ian den Weg, er weiss ja, wo er gestartet ist. Bis wir vor seinem Hotel stehen, sorry, andere Seite, also laufen wir wieder los.

Da sehen wir die Bänder und jubeln, meine Familie hört das und jubelt zurück und einer der schönsten Momente meines Lebens läuft über die Bühne und das obwohl mein Geburtstag schon drei Stunden zurückliegt. Ja, ich bin an meinem Geburtstag, dem 58., über 23 Stunden unterwegs gewesen. Nicht ganz freiwillig, wie ich gerne erzähle. Wir sind ja alles Süchtige und können gar nicht anders. Vielleicht wäre es an der Zeit eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Ich sollte nicht all zulange warten, im Hinterkopf geistert da schon etwas von 2015 und T201 herum.


Danke, Herr Tuffli. Danke, an all die Helfer, ihr wart grossartig.

Und Marc war ein grossartiger Leidenspartner, danke, und Ian half uns in den schlimmsten Stunden.
Wann hat man schon Gelegenheit, mit einem deutschen Unternehmensberater und einem schottischen UNO Mitarbeiter, der in Genf arbeitet, Stunden oder Tage zu verbringen. Da muss man schon zum Ultraläufer werden.



On the Move.

Ian meint im Ziel, dass er bei den 201er der Läufer sei, der am längsten on the move gewesen sei. Er verpasst das um etwa zwei Stunden.

Er hat unterwegs noch gefragt, wieso wir rennen und ich hab ihm geantwortet, um zu siegen. Und ich habe tatsächlich gewonnen, ich bin der 141er, der am längsten on the move war. Ich habe Marc um acht Zehntel Sekunden geschlagen.



Sonntag, 27. Juli 2014

2014 Eigertrail - 67.8 Kilometer - 5160 Höhenmeter - DNF



Mein erster DNF

http://youtu.be/PT2M_3beYMo



Bei meinem 13. Ultralauf das erste Mal nicht bis ins Ziel gekommen.

Ich war noch bei einer Physiotherapeutin und bat sie, mir die Achillessehne zu massieren. Da hat sich als Glücksfall erwiesen, noch während sie an der Sehne herumdrückte, was recht schmerzhaft war, aber was ist nicht schmerzhaft bei einer richtig zupackenden Physiotherapie oder Massage, spürte ich, wie ich den Fuss nicht mehr spürte. Seit Monaten schon fühlte sich der rechte Fuss anders an als der linke. Er hatte sich auch seit Biel nicht mehr richtig erholt.

Plötzlich keine Beschwerden mehr.

Am Mittwoch noch ein kurzer Lauf der Limmat entlang und dann abwarten.

Es gibt zwei Sachen, die ich an solchen Events hasse:

1) die Nervösität vor dem Lauf, das ich nicht mehr schlafen kann, dass die Tage vorher so schleppend vorbeiziehen, dass ich fünfmal den Koffer wieder auspacke

2) die Untätigkeit nach einem Lauf, wo ich mindestens eine Woche keinen Sport treiben sollte

Am Freitag nach Grindelwald, im Zug ab Interlaken mit einer Holländerin gesprochen, die den 51er machen wollte und dafür mangels Bergen in Holland im Treppenhaus trainiert hat.

Das Hotelzimmer bezogen, die Start-Nummer nach längerem Anstehen und genauem Prüfen des Rucksackinhaltes bekommen (während des Laufes wurde nie mehr kontrolliert!!!), Ravioli in einem Restaurant gegessen (die kleine Portion, dafür gab es noch zwei Wähen).
Info am Abend und dann ins Bett, wachgelegen, ich war zu nervös und hatte Angst vor dem Verschlafen trotz dem Weckerstellen. Ich bin dann nicht zum Morgenessen gegangen, habe zwei, drei Maiswaffeln mit Erdnussbutter gegessen und vergessen den Powerbar Riegel vorher zu nehmen.

Um halb fünf der Start, beste Bedingungen. Stöcke im Rucksack, die hätte ich von Anfang an brauchen können, auch Stirnlampe, doch es waren genug mit Licht unterwegs.

Es lief sehr gut, fast keine Fussbeschwerden und irgendwann gar keine mehr. Ich trat einfach vorsichtiger auf mit dem rechten Fuss.

Dafür meldete sich am linken Fuss eine Blase. Zum Glück hatte ich am Vorabend noch Compeed eingekauft, so konnte ich das draufkleben und nach 20 Minuten spürte ich nichts mehr.

Es ging blödsinnig rauf und runter, First nach Bort runter war sehr steil auf Asphalt, dann zum First hinauf auf dem Weg, der eigentlich nicht gemacht war für jemanden, der nicht schwindelfrei ist.
Ich konzentrierte mich auf die Schuhe des Vordermann, ein Läufer, der beim Briefing neben mir sass und mit dem ich ins Gespräch gekommen war (trainiert 5-6 Stunden pro Woche, da seh ich schon alt aus mit meinen zweieinhalb).

Ab Bussalp hatte ich Probleme, es wurde mir wieder mal schwindlig, es gab kein Cola  und ich brachte fast kein Wasser mehr runter, zum Essen musste ich mich zwingen.

Hinauf zum Faulhorn war die Hölle. Ständig die Fragen, wieso ich mir das antue. Oben gab es dann Cola und ich erholte mich.

Der Weg zur Schyinigen Platte war endlos, aber gut zu laufen, oft leicht hinunter, wo ich Gas geben konnte.

Dann runter nach Burglauenen. Das war der Hammer. Technisch sehr schwierig, sehr steil nach unten und es ging zwischendurch auch hinauf, mit dem hatte ich nicht gerechnet.

In Burglauenen habe ich mich massieren lassen, es gab Magnesium, weil ich auch Krämpfe bekam, aber essen konnte ich fast nichts mehr, ich konnte nichts mehr hinunterschlucken. Einzig Geld ging hinunter, ich drückte Gel hinein und Cola. Gel mit Koffein und Gel salty.

Mit Mägi telefoniert, ein anderer Läufer half mir das Telefon abzunehmen, weil ich nichts mehr sah. Der Läufer musste aufgeben wegen Magenproblemen und wünschte mir Glück.

 Als ich von Burglauenen weglief, kam ein Läufer daher und wir schwatzen und er fragte, ob er mit mir rennen darf. Ich war noch so froh, doch stellte sich weiter vorne heraus, dass er direkt nach Grindelwald musste und ich konnte ihn nicht überreden, den Umweg via Eigertrail zu nehmen.
Ab hier waren wir 101er wieder allein und ich lief über eine halbe Stunde ohne jemanden zu sehen. Dann schloss Clive auf mich auf, ein Engländer, den ich gleich als Pacemaker buchte. Ich quatschte die ganze Zeit und es war sehr unterhaltsam mit ihm.

Nur Wengen wollte und wollte nicht kommen. Weiterhinauf als Höhe Wengen und wieder hinunter.

In Wengen regnete es kurz. Ich nahm Essen mit, aber trank nur Cola. Ich konnte die Gels und Riegel nicht mehr sehen.

Mit Clive weitergezogen. Eine andere Gruppe schloss sich uns an, ich begann mit denen zu reden, da war Clive plötzlich hundert Meter weiter vorn und ich konnte die Lücke nicht mehr schliessen.

Da fing, nachdem ich einen salty Gel genommen hatte, meine grosse Krise an.
Mir wurde schlecht, die Krämpfe in den Beinen kamen häufiger und waren hartnäckig, mein linkes Ohr war zu und ich hörte mich selber schnaufen, wie in einem Film mit Astronauten und es war steil. Endlich waren wir aus den Bäumen raus, da kamen die Lawinenabsperrungen.

Mägi und ich sind ja letztes Jahr hinaufgelaufen und ich hatte recht Probleme mit dem Ausgesetztsein. Hier konzentrierte ich mich wieder auf den Vordermann und wir liefen den obersten Teil auch auf einem einfacheren Weg. Ich konnte leider nicht mehr reden, ich verstand mich selber nicht mehr, da mein Ohr zu war.

Ich musste mich ins Gras legen und wäre gern liegen geblieben. Nahm aber den nächsten Läufer wieder als Vordermann. Es war so verdammt hart hinaufzukommen.

Mägi kam mir ein Stück entgegen, ich hatte Tränen in den Augen vor Freude, sie zu sehen. Sie erzählte mir später, dass ich wie eine Leiche ausgesehen habe. Auf dem Männlichen stürzte ich ins Restaurant, ich wollte mich einfach nur noch hinlegen.

Das tat ich auf einer Bank und begann zu zittern am ganzen Körper.

Ich sagte Mägi, sie soll einen Arzt holen. Es kam eine Samariterin mit Decken und sie legte mir eine Infusion mit Salz und Zucker.

Es ging mir bald besser, ich trank eine Gemüsebouillon (an den Stationen gab es nur Fleischbouillon), die Infusion dauerte 45 Minuten. Mägi und die Frau rieten mir ab weiterzulaufen. Ich überlegte hin und her, aber als ich mir vorstellte, wie schlecht es mir wieder gehen könnte, beschloss ich abzubrechen.

Ein Deutscher wurde neben mir verpflegt, er hatte dieselben Probleme, konnte nichts mehr essen und bekam eine Infusion. Er musste schon den Zugspitzlauf abbrechen und wollte unbedingt weiter. Seine Frau und sein Vater waren dort. Wie ich später sah, brach er auch das Rennen in Männlichen ab.

Ich hatte 68 km und ca. 5000 Höhenmeter geschafft.

Mit Gondel runter nach Grindelwald, von der Station hinauflaufen ins Dorf, dort gab es im Hotelrestaurant Shorley und ein alkoholfreies Bier. Essen konnte ich nichts. Dafür schlafen, wenigsten ein paar Stunden

Ich holte den Depotsack von Burglauenen selber ab, morgens um halb sechs und traf unterwegs auf Clive, der fertiggelaufen war in etwas mehr als 24 Stunden und davon erzählte, wie gefährlich der Abstieg auf dem Eigertrail in der Nacht war.

Mein erster DNF und es tut weh. Vor allem hätte ich noch genügend Zeit gehabt, die restlichen 30 km zu laufen. Doch es lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Ich hoffe, der nächste Lauf lässt mich das vergessen.

Sonntag, 29. Juni 2014

2014 Bieler Lauftage - 100 km





http://youtu.be/zVoSiM4JC4Y


Nach Biel mit dem Auto gefahren, das Wetter war sehr gut, Mägi kam am Abend mit dem Zug, sie lief den Marathon, war komisch, nicht zusammen loszulaufen, nachdem wir letztes Jahr zusammen gestartet waren.

Zu Beginn tat der rechte Fuss am Knöchel innen weh, ging aber wieder besser nach einiger Zeit, der Schmerz kam ab und zu wieder zurück. Nur nicht beeindrucken lassen.
 
Es war warm, ich musste das langärmelige Leibchen abziehen und lief lange nur mit dem Odlo Unterleibchen. Es war wieder herrlich und es lief mir gut, den langen öden Strecken begegnete ich mit dem Gedanken, dass das schön ist und dass ich das ja will und suche.

Dann tat der Fuss doch mehr weh und ich wollte nach 40 km umkehren und Mägi entgegen laufen und mit ihr den Marathon beenden, dazu kam jetzt auch der Schwindel, den ich immer wieder an Läufen habe, wegen der Verdauung. Meist hilft Cola dagegen. Doch irgendwann ging die Krise vorüber. Es war unglaublich warm und trocken. Ich hatte dummerweise kein Wasser dabei. Die Zunge klebte am Gaumen und ich bat einen Zuschauer um Wasser und nahm schon früh Cola, am nächsten Posten, etwa KM 45.

Christian war nicht am Treffpunkt, ihn traf ich erst später, er musste einen Platz für sein Auto suchen. Ihm konnte ich meinen Rucksack abgeben und der war ja sackschwer. Ich war unglaublich erleichtert. Das sind so die Momente, die einem wieder Kraft geben.
 
Am Fluss entlang vor Büren lief es mir am besten. Ich rannte fast mit einer 5er Zeit. Der Einbrauch kam kurz vor Büren. Danach halfen Cola und Gel nicht mehr und ich musste mich quälen. Erst ab km 95 fand ich wieder Kraft, jetzt wollte ich noch jeden in meiner Altersklasse überholen.
 
Im Ziel nach 11 Stunden und 10 Minuten. Noch nie war ich so schnell unterwegs.
Je älter desto schneller.